Warum der Europäische Gerichtshof Entscheidungen zu Haftungsfragen bei Glücksspielanbietern weiterhin an nationale Gerichte überlässt
Felix Patterson · Jun 9, 2026

Warum der Europäische Gerichtshof Entscheidungen zu Haftungsfragen bei Glücksspielanbietern weiterhin an nationale Gerichte überlässt

Der Europäische Gerichtshof verweist wiederholt Schlüsselfragen zur Haftung von Glücksspielbetreibern und zu Erstattungsansprüchen von Spielern an die Gerichte in Deutschland sowie in vergleichbaren Mitgliedstaaten, obwohl bereits mehrere Vorabentscheidungsersuchen und Urteile vorliegen, und dieser Ansatz führt zu anhaltenden Unklarheiten bei Streitigkeiten mit nicht lizenzierten Online-Glücksspielanbietern im Rahmen des Glücksspielstaatsvertrags.
Mehrere Verfahren haben gezeigt, dass der Gerichtshof nationale Kompetenzen in Glücksspielangelegenheiten respektiert, während nationale Gerichte in Deutschland mit der konkreten Auslegung von Haftungsregeln und Erstattungspflichten befasst bleiben, und diese Praxis setzt sich bis in den Juni 2026 fort, ohne dass eine abschließende europäische Klärung erfolgt ist.
Hintergründe der Vorabentscheidungsverfahren
Deutsche Gerichte haben in den vergangenen Jahren wiederholt Fragen zur Vereinbarkeit nationaler Regelungen mit EU-Recht an den Europäischen Gerichtshof gerichtet, insbesondere wenn es um die Haftung von Betreibern ohne deutsche Lizenz und um mögliche Rückerstattungen von Spielverlusten ging, doch der Gerichtshof entschied in mehreren Fällen, dass diese Bewertungen auf nationaler Ebene erfolgen müssen, weil sie eng mit den spezifischen Ausgestaltungen des Glücksspielstaatsvertrags verbunden sind.
Der Glücksspielstaatsvertrag regelt seit seiner letzten Novellierung die Erlaubnispflicht für Online-Angebote und schafft klare Vorgaben für lizenzierte Anbieter, während gleichzeitig Rechtsstreitigkeiten mit nicht autorisierten Plattformen zunehmen, und diese Konstellation führt dazu, dass nationale Instanzen wie Oberlandesgerichte oder Landgerichte die Details der Betreiberhaftung und der Spielervergütungen prüfen müssen.
Fortdauernde Streitigkeiten um nicht lizenzierte Angebote
In Deutschland ergeben sich aus dem Betrieb nicht lizenzierter Online-Glücksspielangebote zahlreiche Klagen, bei denen Spieler Erstattungen ihrer Verluste verlangen, und Gerichte müssen dabei sowohl den Glücksspielstaatsvertrag als auch europarechtliche Vorgaben zur Dienstleistungsfreiheit berücksichtigen, ohne dass der Europäische Gerichtshof eine abschließende Position zu allen Aspekten der Haftung formuliert hat.
Beobachter verweisen darauf, dass diese Zurückhaltung des Gerichtshofs auf dem Prinzip der Subsidiarität beruht, während nationale Gerichte über die tatsächliche Umsetzung und die konkreten Ansprüche entscheiden, und im Juni 2026 liegen daher immer noch mehrere Verfahren vor, in denen Oberlandesgerichte oder das Bundesgerichtshof über die Reichweite von Erstattungspflichten urteilen müssen.

Rechtliche Rahmenbedingungen und nationale Umsetzung
Der Europäische Gerichtshof hat in früheren Urteilen bestätigt, dass Mitgliedstaaten eigene Regelungen zum Schutz vor Glücksspielrisiken treffen dürfen, solange diese nicht diskriminierend wirken, und diese Linie führt dazu, dass Detailfragen der Betreiberhaftung sowie der Erstattung von Spielverlusten bei nicht lizenzierten Anbietern in den Zuständigkeitsbereich deutscher Gerichte fallen, während der Gerichtshof nur allgemeine Leitlinien vorgibt.
Deutsche Instanzen wie das Oberlandesgericht Köln oder andere Landgerichte haben bereits in Einzelfällen über Rückerstattungsansprüche entschieden, und diese Entscheidungen stützen sich auf die Auslegung des Glücksspielstaatsvertrags sowie auf zivilrechtliche Vorschriften, ohne dass eine einheitliche europäische Rechtsprechung alle offenen Punkte klärt.
Auswirkungen auf vergleichbare Jurisdiktionen
Ähnliche Muster zeigen sich in anderen Mitgliedstaaten, wo nationale Gerichte ebenfalls mit Haftungsfragen bei grenzüberschreitenden Glücksspielangeboten befasst sind, und der Europäische Gerichtshof überlässt es den jeweiligen Gerichten, die konkreten Umstände mit den nationalen Lizenzsystemen abzugleichen, während gleichzeitig der Bedarf an einheitlichen Kriterien für Spielervergütungen bestehen bleibt.
Im Juni 2026 verdeutlicht sich diese Entwicklung weiter, weil laufende Verfahren in Deutschland und vergleichbaren Ländern zeigen, dass die Kombination aus europäischen Grundsätzen und nationalen Ausführungsbestimmungen zu differenzierten Einzelfallentscheidungen führt, ohne dass eine umfassende Klärung auf europäischer Ebene erfolgt.
Fazit
Die fortgesetzte Verweisungspraxis des Europäischen Gerichtshofs bewirkt, dass deutsche und vergleichbare nationale Gerichte die zentralen Fragen der Betreiberhaftung und der Erstattungsansprüche im Kontext nicht lizenzierter Online-Glücksspielangebote sowie des Glücksspielstaatsvertrags eigenständig lösen müssen, und diese Situation hält im Juni 2026 an, ohne dass eine abschließende europäische Harmonisierung aller relevanten Aspekte erreicht wurde. Europäischer Gerichtshof und Bundesgerichtshof dokumentieren diese Entwicklung durch ihre jeweiligen Entscheidungen und Verfahrensstände.